Frank Röder von www.TRIathleten.NET
im Gespräch mit dem "Trainer-Stammtisch"
Gesprächspartner Wolgang Greiner (02.06.2005)
(Auszug aus dem Gespräch für das Vereinsmagazin 7/06)
Anmerkung: Dieses Gespräch wurde für den "Trainer-Stammtisch" geführt. Der Trainer-Stammtisch ist eine Art Vereinsmagazin einer Gruppierung, die nicht als Verein auftreten möchte. In Österreich und Südbayern, haben rund 110 unabhängige Trainer einen konstruktiven Informationsaustausch vereinbart, der völlig unbeeinflusst von Verbänden, Hochschulen, wirtschaftlichen Interessen und Lobbys bleiben soll. Er ähnelt ja sehr meinen "Trainer-Informations-Netzwerk".
Das folgende Gespräch ist wurde gekürzt, ist aber immer noch erheblich umfangreicher als der in dem Magazin veröffentlichte Artikel.
Stichwort Offenheit: Es liegt mir fern die Sprache in diesem Gespräch zu zensieren, zu beschönigen oder sonst irgendwie zu verzerren. Wolfgang: Servus Frank, erst mal Dankeschön, dass das mit dem Gespräch so spontan möglich war. Frank: Hallo, Wolfgang! Schön dich kennen zu lernen. Na ja, wenn du schon mal in Deutschland bist. Wolfgang: Das kommt nicht so oft vor. Ich würde dich gern für unseren Trainer-Stammtisch befragen. Ich würde gern im Sommer ein besonderes Bonbon darin vorzeigen können. Frank: Das bin doch nicht etwa ich? Wolfgang: Doch, doch, genaugenommen schon. Frank: Du spinnst. Wolfgang: Nein, nein. Wir hatten ja dies lange Gespräch und dann die Qualitätssicherungsmaßnahme in unserer Vereinigung. Frank (lacht): Ich kann mich lebhaft erinnern. Wolfgang: Du weißt auch, dass es zunächst fast alle abgelehnt hatten, mit dir zusammen zu arbeiten und jetzt bis du in unseren Kreisen schon zur Kultfigur emporgestiegen. Frank: Du verarschst mich! Wolfgang: Aber nur ein bisserl. Aber es ist was dran, wenn sie den Röder zitieren. Frank: So viel hab ich doch damals gar nicht gesagt. Wolfgang: Wenig, aber mit Hand und Fuß. Und das spricht sich eben rum. Frank: Hilf mir doch noch mal auf die Sprünge, was ich gesagt habe. Wolfgang: Also sinngemäß, hast du uns zur empirischen Forschung angestiftet. Frank: Ja stimmt, aber das ist nichts Neues, das sage ich praktisch jedem. Wolfgang: Wie du es gesagt hast, das war's. Du hast den meisten den Zwang zur Qualifizierung genommen. Frank: Ja, das ist ja bei euch genauso wie in Deutschland. Wolfgang: Für alles gibt es Prüfungen, Lizenzen und solchen Schmarn. Das kostet Geld und viel lernt man dabei nicht. Frank: Ja, ich sags doch: tauscht euch aus. 100 Gehirne ziehen bessere Schlüsse als ein Star-Gehirn. Wolfgang: Genau das ist der Spruch den sie so oft zitieren. Frank: Hey, hey, bloß keinen Starkult, Wolfgang, das lehne ich ab. Mir wär es lieber ihr sagt den Spruch einfach so ohne zu sagen: "Der stammt vom legendären Röder". Wolfgang: Schon gut, ich merks mir. Du sagst ja, dass du kein Lametta magst. Frank: Wäre schön, wenn das keiner mag. Was du tust, was du bist und was du kannst zählt, aber doch, nicht das Statussymbol, das Wissen vorgibt. Wolfgang: Das war der zweite wichtige Punkt: der Angriff auf die Lern- und Denkfabriken. Frank: Klingt gefährlich. Wolfgang: Hast du so gesagt. Frank: Vielleicht nicht wörtlich, denn die meisten haben ja immer noch recht. Problematisch ist die Vermarktung über kommerzielle Institute, aber auch über Verbände, die dann Ausbildungen verkaufen. Alles kostet Geld, natürlich muss das auch was kosten. Aber schau dir unseren deutschen Außenminister an, der hat noch nicht mal Abitur, aber kaum jemand zweifelt an seiner Kompetenz, er zählt zu den geachtetsten Politikern der Welt. Wenn er Zeit investiert hätte die Formalqualifikation "Abi" zu schaffen, statt in der Praxis mit seinen Kumpels Streitgespräche zu führen, wäre er wahrscheinlich nicht das, was er ist. Wolfgang: Ich sagts jetzt mal direkt: Bei uns wird jeder Arsch Trainer. Frank: Das druckst du jetzt aber nicht, aber unter uns: Bei uns auch. Wolfgang (lacht laut): Und das bis zur höchsten Stufe. Ex-Profisportler bekommen ihren Trainer geschenkt. Schau dir die Deppen doch mal an. Frank: Das darfst du jetzt nicht verallgemeinern. Wolfgang: Nein, will ich auch nicht. Nur diese Fixierung auf Profisportler, Star-Trainer, Super-1A-Trainerlizenzen und die ganze Blenderei, da meint man doch, dass man in einer Sekte wär, oder? Frank: Wie meinst du das jetzt? Wolfgang: Zu unselbstständig, zu abhängig. Nachdem du die Struktur unserer Vereinigung aufgedröselt hast, haben wir erst unser Potential gesehen. Frank: Ihr seid ja 110 Figuren... Wolfgang: Hä? Frank: Hanseln, auf Alpenländisch. Wolfgang (lacht) Frank: Allein dadurch bekommt ihr in der Summe an viel mehr Wissen und Erfahrung ran als die Deutschen und die Österreichischen Verbände zusammen. Wolfgang: Das hast du so bisher noch nicht gesagt, das ist ja noch mal ein Potenz höher. Frank: Rechne nach Wolfgang: Verband X mit 1 Millionen Mitgliedern, davon 990.000 Passive, die auch noch nach der Pfeife der Trainer tanzen, die Trainer sind die übrigen 1000, von denn sind 10 Profis. Und diese 1000 Trainer beziehen ihr Wissen überwiegend von den Verbänden. Verbandskonformes Unterrichten, sagt man dazu, fast schon totalitär. Wolfgang: Ein Ausbildungsmonopol oder Denkkontrolle, sagt immer einer von unseren ganz harten Trainern. Frank: Wer sagt euch was ihr lernen dürft? Wer sind eure Kunden? Wolfgang: 50 % Vereine, 40 % Privatpersonen, 10 % Firmen, so in etwa. Frank: Nimm die 50 % Privatpersonen und Firmen und quetsche sie aus, frage sie was sie wollen, wohin sie wollen, wendet eure Methoden an, wertet eure Methoden aus und schon habt ihr mehr Erfahrung als die Verbände. Wolfgang: Wir sind nur 110. Frank: Ihr seid 110 Profis! Die 1000 verbandskonformen Übungsleiter machen vielleicht 3 Stunden die Woche Training nach Schema F ohne eigene empirische Forschung - wozu auch, wenn man alles vorverdaut bekommt? Sogenannte Vordenker denken vor was dann die Nichtdenker nach denken. Eure echten Vollbluttrainer machen 50 Stunden die Woche Training, aber schon gar nicht nach Schema F. Ihr seid quasi die Avantgarde, bloß dass ihr euch das nicht auf die Fahnen schreibt. Wolfgang: Oh, da bleibt mir die Luft weg. Frank: Stimmt was nicht? Wolfgang: Doch, es stimmt, ich habs nachgerechnet und es ist verdammt richtig! Frank: Wie viele Trainerscheine wurden bei euch im letzten Quartal gemacht?. Wolfgang: Ich habe aber nur von einem ganz sicher gehört. Keiner hat mehr Lust drauf. Die meisten sprudeln über vor Ideen für Projekte. Das gesparte Geld für die unnötigen Scheine können sie immer gut brauchen. Die Vereine in denen unsere Trainer bekannt sind, wollen inzwischen auch gar keine Scheine mehr sehen. Die buchen uns trotzdem, weil wir inzwischen bekannt sind - der "Revoluzzerhaufen". Frank: Wie war das in den Jahren zuvor? Wolfgang: Du, damals hatten wir alle ein schlechtes Gewissen, wenn wir nicht jedes Jahr irgendwas gemacht hatten, irgendeine Fortbildung, Weiterbildung oder Erweiterung. Na ich würden sagen wir haben zusammen so 20 bis 30 Scheine pro Quartal gemacht. Manche haben die Dinger wie Briefmarken gesammelt - teure Briefmarken. Frank: Macht 10.000 Euro... Wolfgang: Kommt hin. Frank: ... die den Verbänden fehlen. Fühlt ihr euch jetzt verblödet oder glauben euch eure Kunden nichts mehr? Wolfgang: Im Gegenteil wir sind glaubhafter, weil wir mehr wissen eigenes Wissen vermitteln. Und da wir die Kunden nach ihren Erfahrungen und Bedürfnissen fragen, ist auch die Kundenbindung besser und irgendwie "natürlicher" geworden. Frank: Sag bloß? Wolfgang: Diese Kopiererei und das runterleiern der offiziellen Lehrtexte, das hat jetzt bei uns aufgehört. Frank: Ist ja auch nicht erlaubt. Du weißt ja geistiges Eigentum und so weiter. Wolfgang: Machen aber alle und sagen dazu "aber nicht weitergeben" und geben es schon weiter. Frank: Könnte ja auch eine Werbemasche sein, verbotenes hat ja seinen Reiz. Wolfgang: Kann sein. Das ist aber Schnee von gestern. Jetzt geben wir geistiges Eigentum weiter und sind stolz darauf, weil es unter eigenes ist. Zwei von uns haben sogar ihre Trainerscheine zurückgegeben. Nachdem sie aufgefordert wurden die Lizenz zu verlängern haben sie denen auf den Tisch geknallt, als Protest gegen dieses Ausbildungsmonopol. Frank: Gute Idee, da muss ich auch mal drüber nachdenken. Ich sehe, ihr habt euch sehr kreativ und kämperisch entwickelt. Wolfgang: Das stimmt. Jetzt aber zum eigentlichen Thema. Ich bin ja Lehrer, wie einige von uns, und wir wollten uns ein paar Materialien für Aktionswochen und Projekte erarbeiten. Viele Fragen drehen sich um Fitnessstudios aber auch viele Fragen um Personaltrainer. Wir bezeichnen uns ja selbst zum Teil so, aber wollten einen außenstehenden Personaltrainer befragen. Frank: Oh je, da sprichst du ja mein Lieblingsthema an. Wolfgang (lacht): Jetzt verarschst du mich! Frank: Ja. Personaltrainer ist auch so eine handelbare bis käuflich Berufsbezeichnung. Wolfgang: Los erzähl! Frank: Du weißt, dass mehr oder weniger lange, mehr oder weniger teurer und mehr oder weniger gute Ausbildungen angeboten werden. Wolfgang: Das ist wie bei den Verbandsscheinen, nur noch extremer. Frank: Ja, extrem, besonders in den negativen Bereich. Deswegen ist mir selbst die Bezeichnung Personaltrainer immer etwas peinlich. Wolfgang: Mir auch, wer will schon im selben Atemzug mit den diesem gedopten kackbraunen Idioten verglichen werden? Frank: Ich hätte es diplomatischer ausgedrückt, aber das mag ich an den meisten Österreichern, diese ehrliche, treffende Art sich auszudrücken. Wolfgang (lacht): Dankeschön. Ja wenns so ist. Frank: Ich habe dir nicht widersprochen, Wolfgang. Was ich sagen möchte, die vielfältigen Scheine und Lizenzen, die einen erst zum echten Personaltrainer machen, gaukeln oft Standards vor, wo keine sind. Das sind mir die Verbandsstrukturen schon fast lieber. Wolfgang: Und auch die kannst du vergessen. Frank: Okay, wissen wir inzwischen. Was wolltest du noch fragen? Wolfgang: Ach so, ja. Was verdient man als Personaltrainer? Frank: Das ist sicher unterschiedlich. Ich selbst verdiene etwas mehr als ein solide bezahlter Halbtagsjob. Wolfgang: Bei welcher Arbeitszeit. Frank: Die wechselt sehr stark. Minimum 30 Stunden, Maximum was eben geht, für mich persönlich so an die 90 Stunden, weil auch samstags und sonntags gearbeitet wird. Im Schnitt rund 55 Stunden. Die Urlaubstage pro Jahr dürften im normalen Rahmen liegen, wobei ich mir fast immer etwas Arbeit mitnehme, aber nur leichte Arbeit, nur kreative Aufgaben, den Stress will ich ja zu Hause lassen. Wolfgang: Das klingt nicht gut. Frank: Ist es aber, es ist ein Traumjob. Nur bekommst du eben kein Traumgehalt. Wolfgang: Ohne Idealismus geht das nicht, oder? Frank: Überhaupt nicht, man würde es nicht durchhalten. Und als Nebenjob kannst du das meiner festen Überzeugung nach vergessen. Wolfgang: Viele wollen ja wisen: Wie wird man nun Personaltrainer? Frank: Man kann oder sollte schon im Nebenerwerb beginnen, weil ja auch einiges davon abhängt. Aber es wird immer holpern und klemmen, wenn du das nicht voll durchziehst. Den Nebenjob machst du um Erfahrung zu sammeln. Nach rund 1000 Stunden Praxiserfahrung und mit mindestens 20 bis 40 Kunden, kann man versuchen voll loszulegen. Aber ein wasserdichtes Konzept braucht man auch, sonst nützen dir die Kunden und deine Erfahrung wenig. Wolfgang: Du meinst die Sache geht den Bach runter. Frank: Kann passieren, mit einer zweifelhaften Berufsethik sogar ziemlich sicher. Na ja, dann gibt es ja noch die Jungs und Mädels, die für 80 Euro oder mehr pro Stunde nicht viel Arbeiten müssen und von irgend einem Fitnessstudio immer wieder neue Kunden geliefert bekommen. Wolfgang: Die Jungs, die den Ruf der Personaltrainer so weit verschlechtert haben. Frank: Ja, für so viel Geld kannst du gleich mit dem Papst reden. Wolfgang (lacht): Okay, wenn er dich fit macht. Ist es notwendig selbst noch aktiv zu sein? Frank: Ich finde, ja, unbedingt. Das braucht man als Verbindung zur Sportlerbasis und um glaubwürdig zu bleiben. Wolfgang: Muss man als Trainer Forschungsprojekte betreiben? Frank: Forschungsprojekte klingt zu abgehoben. Projekte ist da besser ausgedrückt, dann kann man auch mal eine Schnappsidee verfolgen oder eine Spielerei ohne gleich auf die Nase zu fallen. Man lernt dabei eigentlich immer. Wolfgang: Deine Projekte haben uns sehr inspiriert. Wir sind jetzt selbst fleißig dabei, aber meistens mit mehreren beteiligten Trainern Frank: Das ist besser. Meine Klein-Projekte ziehen sich ja oft etwas hin oder müssen manchmal abgebrochen werden. Wolfgang: Noch zwei Fragen. Die erste: Soll der Trainer bei der unterrichteten Sportart selbst aktiv dabei sein? Frank: Nach Möglichkeit schon. Was für eine Frage, du als Bergführer bist ja immer dabei. Aber ich denke es gibt auch Ausnahmen. Bei Hilfestellung oder wenn der Trainer schon etwas älter ist oder man einen Profi oder Semi-Profi trainiert. Da hatte ich selbst schon öfters Probleme mit meiner "Dabeisein-ist-alles-Mentalität". Aber Profis erwarten am allerwenigsten, dass ihr Trainer sie aus eigener Kraft begleitet. Wolfgang: Stichwort Videoaufnahmen, das wird bei uns immer aktueller. Jetzt geben ja nur die wenigsten von uns Schwimmtraining, wie du, aber was wir bisher von dir gehört haben klingt sehr interessant. Der einleuchtendste Aspekt ist die zeitliche Dichte der Aufnahmen zur Bewegung. Frank: Ich sage nur: Schwimmen mit einem Bodenspiegel - das wäre perfekt. Kontrolle in Lichtgeschwindigkeit. Wolfgang: Genau. Wie lange sollte es höchstens dauern bist der Sportler die Aufnahme seiner Bewegung sieht. Frank: Es scheint das so etwas wie eine 30-Sekunden-Schwelle zu geben, danach verschlechtert sich die Aufnahmefähigkeit rapide. Das hat wohl direkt mit dem Kurzzeitgedächtnis zu tun mit dem das motorische lernen unmittelbar verknüpft ist. Ich bin für noch kürzere Zeiten. Mit eine normalen Kamera geht das sofort, also eigentlich immer unter 15 Sekunden, oft sogar nur 5 Sekunden. Schwimmen ist ja eine sehr komplexe Gesamtkörperbewegung. Nicht umsonst hängen in Ballett- und Tanzstudios Spiegel an der Wand. Wolfgang: Hey, die gibts aber im Fitnessstudio auch! Frank (lacht): Logisch, wegen der hochkomplizierten Bewegungen beim Posing...