Jetzt mal ganz ehrlich...
(auch wenn ich damit anderen auf die Füße trete, das muss mal gesagt werden)
- "Schwimmen wie ein Fisch" ist ein schönes Sprichwort, aber leider nicht mehr und im schlimmsten Fall eine gefährliche Selbsttäuschung.
- Der Mensch ist und bleibt ein Landlebewesen. Weder von seinen Instinkten, seinen Atmungsorganen, seinen Auftriebsverhältnissen oder seinen Antriebsflächen, ähnelt er den Tieren, die zum Leben im Wasser geeignet sind.
- Der technische Wirkungsgrad beim Schwimmen beträgt für Menschen höchstens 9 bis 10 %, der Durchschnitt liegt bei 5 bis 6 %, schlechte Schwimmer erreichen noch nicht einmal 2 %. Viele Fische erreichen mehr als 30 %. Streben wir also die 10 % an...
- Mit Intelligenz und Lernbereitschaft kann sich der Mensch vielen ungünstigen Bedingungen anpassen.
- Beschönigen von Tatsachen verschiebt den Frustrationszeitpunkt nur in die Zukunft. Fehler müssen erkannt und beseitigt werden.
- Der Begriff Natürlich, wird wie in vielen anderen Berichen, auch beim Schwimmtraining oft als unanfechtbares Argument missbraucht. Dass irgend etwas am Schwimmen natürlich sei, ist eine willkürliche Behauptung. Tatsache ist: Schnelles sportliches Schwimmen ist niemals natürlich. Der Mensch ist nur so vielseitig, dass er vom Rückenschwimmen über den Stabhochsprung bis hin zum Autofahren und Bombenlegen, erstaunlich viele Fertigkeiten erlernen kann. Natürlich war es, dass noch vor wenigen Jahrhunderten die erschreckende Mehrheit der Menschheit im Wasser schlicht und ergreifend absoff. Das widersprach zwar dem natürlichen Wunsch zu überleben, stimmt aber dennoch.
Trotzdem: Nichts sollte uns davon abhalten unsere Schwimmleistung zur verbessern und auch noch Spaß daran zu haben!
- Geduld, Analyse und systematisch angepasste Vorgehensweise sind die einzig wirksamen Mittel ein größeres Schwimmproblem in den Griff zu bekommen.
- Nur deine individuelle Lernmethode kann deine individuellen Probleme beheben. Wundermittel gibt es nicht!
- Wenn trotz mangelndem Talent weitertrainiert wird, entdeckt man an sich die Stärke, das Erlernte länger zu behalten und nachhaltiger einzusetzen. Das trifft auch für ältere Schwimmer zu.
- Man muss ehrlich genug sein zuzugeben, dass das Erlernen eines korrekten Schwimmstils ein langer, schwerer und anstrengender Weg sein kann. Wunder passieren im Märchen nicht im Schwimmbecken. Wenn jemand völlig unproblematische und schnelle Wundermethoden zum Schwimmen lernen verkauft, ist das schlicht unseriös!
- Gute Schwimmer müssen keine guten Trainer sein! Laut Statistik ertrinken sogar mehr gute Schwimmer als Nichtschwimmer. Ebenso müssen schlechte Schwimmer keine schlechten Trainer sein. Es kommt immer auf die Vermittlung von fundierten Erkenntnissen an. Zugegebenermaßen genießen Top-Schwimmer in dieser Hinsicht einen (leider nicht immer gerechtfertigten) Vertrauensbonus. Bedenke: Wer 20 Jahre Hochleistungssport getrieben hat, kann nicht die Unterrichtserfahrung mitbringen, wie jemand, der 20 Jahre Sportler trainiert hat. Der Topsportler weiß zweifellos wie er trainieren muss, der Trainer weiß aber zweifellos wie andere trainieren müssen - das zählt mehr!
- Je mehr Mysterium um das Schwimmen betrieben wird, desto verwegener sind die Formulierungen der "Schwimm-Gurus". Sogar solche wohlklingenden Formulierungen wie "Gleiten", "Blockbildung", "Gleitlage" sorgen eher für Missverständnisse, als dass sie wirklich helfen. Eine reine Formulierung entbehrt ohne konkrete Erläuterungen zunächst jeder didaktischen Grundlage. Allein durch beeindruckende Sprüche ist noch keiner besser geworden.
- Stichwort Gleiten: Dabei verhält es sich ähnlich wie beim Stichwort Nikolaus - wer dran glaubt... Dieses heilige Überideal (ich rede hier nicht vom Nikolaus) vom eleganten, fast abtriebslosen Vorankommen beim Kraulschwimmen anzuzweifeln, scheint ein schwerer Frevel zu sein. Ganz konkret und ketzerisch gesagt, es gibt beim Kraulschwimmen eben so wenig eine Gleitphase, wie man beim Laufen "fliegt", nur weil man kurz den Boden verlässt (wir sind weder Vögel noch Fische - nur keine falschen Illusionen!). Wie exakte Bewegungsanalysen und auch meine Projekte belegen, handelt es sich aber mehr um einen rhetorischen als um einen trainingsmethodischen Begriff. Um es kurz zu machen: Man kann Antrieb erzeugen und das strengt an oder man gleitet erholsam und erreicht dabei kein Tempo. Gleiten allein geht nicht. Als populärste Sackgasse der letzten Jahre im Schwimmsport muss somit das Gleiten geoutet werden! Es gibt keine Wasserlebewesen die ihre Extremitäten über Wasser gegen die Schwimmrichtung bewegen und sie dann bis weit vor den Körper nach vorn strecken oder weit vorne ablegen. Wie ihr als Mensch trotzdem ökonomisch und schnell vorankommen könnt, bringe ich euch gerne bei.
- Leicht, locker und unbeschwert zu schwimmen geht nur, wenn man sich im Wasser "ausruht". Egal ob im Training oder Wettkampf. Schnelles Schwimmen erlernt man letzten Endes auch nur durch hohes Tempo. Wer also im Ernstfall auch schnell schwimmen möchte, muss in der Trainingspraxis unbedingt auch schnelle Trainingseinheiten absolvieren. Für jede Schwimmdistanz gibt es einen optimalen Kompromiss zwischen "Ausruhen" und einem Mindestmaß an Anstrengung. Auch hier kann man nichts schönreden, tut mir leid.
- In diesem Zusammenhang muss ich erwähnen: Grundlagenausdauertraining im Schwimmen ist etwas für Sportanfänger und Gesundheitssportler. "GA1-Training" ist inzwischen fast zur heiligen Kuh mutiert und wer als Trainer unsicher ist, schreibt lieber erst einmal etwas von GA1-Training auf den Plan, das klingt so schön kompetent. Aber: Leistungsschwimmer und Triathleten brauchen nachweislich nur die Einheiten ab GA2 und höher. Die Ausdauer dieser Sportler genügt locker um Distanzen bis 5 km sicher und ohne Gefahr "einzubrechen" zu bewältigen. Wer 10 km oder weiter im Wettkampf schwimmt, absolviert aber auch gelegentlich ein GA1-Training im Wasser. Wer dagegen nur 2 Stunden pro Woche Zeit zum Schwimmen hat, sollte seine Zeit nicht verdümpeln!
- Manche Trendsetter in der Sportbranche haben schon versucht das Laufen neu zu erfinden, beim Schwimmen ist das nicht anders. Seit etwa 1999 (So lange her? Auch schon wieder out!) wird ein gut funktionierender und fundierter Schwimmstil oft als "alter Schwimmstil" verunglimpft. Angeblich würden Spitzenschwimmerin X und Topschwimmer Y es gaaanz anders machen, viel richtiger, daher auch richtig für Jedermann! Falsch argumentiert. Fast alle vorgebrachten Begründungen kann man nachvollziehbar, aber leider nicht in Kürze widerlegen. Denkt nur mal darüber nach: Waren Trainerikone James Consilman und sein deutsches Pendant Werner Freitag denn Dilettanten? Haben Michael Gross, Mark Spitz und Johnny Weismüller den so viel falsch gemacht? Mit Sicherheit nicht! Deren jahrelange Forschungs- und Trainingsarbeit als überholt darzustellen grenzt an Überheblichkeit. Achtet auch einmal darauf, wer diese Fachleute zum "alten Eisen" wirft. Meist sind es Leute, die selbst wenig Erfahrung besitzen.
- Schwimmen mit anderen Sportarten oder den Menschen mit Tieren zu vergleichen ist oft sehr heikel. Es gibt wirklich nur ganz wenige Bereiche in denen dies wirklich sinnvoll ist.
- Interessanterweise stimmt mir der renommierte US-Trainer Ron Johnson in den angesprochenen Punkten zu, obwohl wir uns noch nie begegnet sind (siehe seine Zitate im Internet). Der Ex-Olympiatrainer und Medaillengewinner wurde von den kommerziellen Nutznießern (zum Teil eine Franchisingmarke) der erwähnten wohlklingenden Begriffe bereits heftig attackiert.
- Trainingsgeräte werden für das Schwimmen etwa mit der gleichen Überzeugungskraft und Seriosität verkauft, wie Ernährungsprodukte zum Abnehmen oder für mehr Fitness. Es wird dann auch oft zufällig auch genau das verkauft, was man selbst als das Allerbeste empfiehlt (Oder war das umgekehrt?). Also bitte nachdenken beim Gerätekauf und möglichst viele andere Meinungen dazu einholen.